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Antifaschismus

Auf allen Ebenen gegen menschenfeindliche Ideologien

Freiräume sind eine wichtige Grundlage für eine emanzipierte Gesellschaft, in der sich alle Menschen soweit verwirklichen können, dass sie dabei die Selbstverwirklichung anderer nicht negativ beeinflussen. Doch mit Nazis in unserer Mitte funktioniert das nicht.

Problematische Denkmuster entwirren

Nazis werden häufig auch als „Rechtsextremisten“ bezeichnet. Diese Bezeichnung lehnen wir ab. Denn die Konstruktion des „politischen Extremismus“ stellt der angeblich von problematischen Denkmustern befreiten Mitte der Gesellschaft verschiedene Extremismen entgegen, die dann wahlweise als Rechts-, Links- oder Ausländerextremismus bezeichnet werden.

Dabei wird oft verschleiert, dass auch die so genannte „Mitte der Gesellschaft“ Denkmuster wie Antisemitismus, Nationalismus, Rassismus und andere diskriminierende Einstellungen pflegt. Kritik an Nazis ist deshalb auch immer Gesellschaftskritik. Denn die jetzige Gesellschaft hat ein starkes Ordnungs- und Ausgrenzungsdenken, das guten Nährboden für die Ideologien der Nazis bietet.

Gegen Angstzonen im ländlichen Raum

Seit der Wende sind in Sachsen flächendeckende Nazistrukturen vorhanden. Besonders der ländliche Raum ist zur Angstzone für Menschen mit anderen religiösen, sexuellen, politischen Vorstellungen oder Herkunft geworden. Innerhalb dieser Angstzonen (z.B. an bestimmten Orten oder innerhalb bestimmter Personenkreise) ist eine freie Bewegung und Entfaltung ohne Angst und oftmals auch ohne die reelle Gefahr von Übergriffen nicht mehr möglich.

Hinzu kommt, dass antifaschistisches Handeln und die Entfaltung von alternativen Jugendkulturen vielerorts erschwert wird. Die Politik spielt die Probleme herunter und verharmlost diese, statt sie aktiv anzugehen. Hier müssen dringend öffentliche gesellschaftliche Diskurse die inhaltliche Kritik an Nazis praktisch werden lassen.

Nicht nur die NPD ist das Problem

Debatten über nazistische Gefahren sind zu oft auf die NPD beschränkt. Dabei gibt es noch viel mehr Parteien und Gruppierungen mit nazistischen oder anderweitig menschenverachtenden oder diskriminierenden Inhalten. Auch DVU, DSU, Republikaner, BÜSO oder Flügel anderer Parteien vertreten solche Positionen. Außerhalb dieses Parteienspektrums existieren außerdem noch viele Freie Kameradschaften, Burschenschaften oder so genannte „autonome Nationalisten“, die besonders durch die unmittelbare Gefahr der Gewalt als besonders gefährlich einzuschätzen sind. Diese müssen ebenfalls benannt und innerhalb antifaschistischen Handelns berücksichtig werden.

Rufe nach Verboten reichen nicht aus!

Rufe nach Verboten reichen hier nicht aus! Denn einen Nazi erkennt mensch nicht mehr an einem bestimmten Äußeren. Nazis und Nazismus lassen sich in den meisten Jugend(sub-)kulturen und Musikgenres wieder finden. Neben den typischen Musikstilen und diversen Sprach- & Dresscodes sehen wir uns heute vielen neuen Erscheinungsformen gegenüber. Nazis können heute auch Emos, Popper oder HipHopper sein, sie tragen Palitücher oder Irokese, propagieren Straight Edge und Autonomie – und sprechen damit auch vermehrt junge Menschen an. Bekannte Nazimarken wie beispielsweise Thor Steinar spielen wiederum eine große Rolle dabei, dem Nazi von heute ein modisches Aussehen mit eindeutiger Zuordenbarkeit zur Naziszene zu verpassen.

Antisemitismus bekämpfen

Antisemitismus ist weiterhin ein fester Bestandteil nazistischer Ideologie und auch in der Gesellschaft leider weit verbreitet. Mit dem Wissen über die deutsche Barbarei, also über den industriellen Massenmord an Jüd_innen in der Shoa, gilt es jeglicher Form des Antisemitismus den Kampf anzusagen. Antisemitismus äußert sich heute wie damals über eine den Jüd_innen zugewiesene Sündenbockrolle, sowie eine Verkürzung und Vereinfachung der kapitalistischen Gesamtverhältnisse auf einzelne Personen oder vermeintliche Strippenzieher_innen. Diese Unterscheidung in sogenanntes schaffendes und raffendes Kapital ist mit einer emanzipatorischen Kapitalismuskritik unvereinbar. In unserer Zeit äußert sich Antisemitismus oftmals auch in abstrusen Verschwörungstheorien, die unsere komplexe Welt durch einfache Erklärungsmuster zu erfassen vorgeben. Der moderne Antisemitismus zeigt sich zudem oftmals in Hass und grundsätzlicher Ablehnung gegenüber dem jüdischen Staat Israel. Da dieser Staat jedoch notwendiger Schutzraum für vom Antisemitismus Verfolgte ist, lehnen wir eine Zusammenarbeit mit antizionistischen Gruppen ab.

Wir fordern:

Keine Verdrehung der Geschichte

Faschismus wird berechtigterweise hauptsächlich mit Verbrechen des Nationalsozialismus in Verbindung gebracht. Immer wieder tauchen jedoch Verdrehungen der Geschichte und Verharmlosung des Nationalsozialismus auf. Diese finden sich nicht nur in Nazikreisen sondern zum Teil auch in gesellschaftlich anerkannten Vereinen. Dazu gehören auch revanchistische Gruppen wie der „Bund der Vertriebenden“, die Gebietsansprüche geltend machen wollen. Solchen Forderungen und Formen des Geschichtsrevisionismus widersprechen wir vehement. Ebenso entschieden lehnen wir eine Gleichsetzung des Nationalsozialismus mit der DDR ab.

 die Sensibilisierung der Gesellschaft für die Problematik

 intensive Unterstützung seitens der Politik für antifaschistischen Projekten, Initiativen und Bündnisse

 breites Engagement und inhaltliche Auseinandersetzung der Gesellschaft

 Nazis auch als solche zu benennen

 nicht nur den Nazismus zu bekämpfen,

sondern auch alle anderen diskriminierenden und ausgrenzenden Denkmuster und Einstellungen wie Nationalismus, Antisemitismus, Rassismus, Sexismus und Fremdenfeindlichkeit

 eine auf allen Ebenen kritische und inhaltliche Auseinandersetzung mit nazistischen Ideologien

 Nazimarken, Labels und dessen Läden outen und behindern

 bessere Aufklärung über Erkennungszeichen von Nazis

 eine differenzierte antifaschistische Gedenkkultur und Geschichtspolitik abseits der Totalitarismustheorie

Antirassismus:

Mensch sein - Grenzenlos!

Rassismus ist eine Ideologie, die Menschen aufgrund äußerlicher Merkmale bestimmte Eigenschaften zuschreibt und sie zu minderwertigen Menschen erklärt. Wir plädieren dafür, dass jeder und jedem – ungeachtet von Herkunft oder Religion – die gleiche und bedingungslose soziale und demokratische Teilhabe garantiert wird.

Deutschland macht seine Grenzen dicht, um - zugespitzt formuliert - in völkisch-rassistischer Manier keine zu starke „Durchmischung“ der vermeintlich ursprünglichen Bevölkerung zuzulassen. Das deutsche Staatsbürgerschaftsrecht basiert noch heute in Grundzügen auf dem Abstammungsprinzip, d.h. dass erst die deutsche Herkunft Bürger_innenrechte verleiht.

Keine Einwanderung nach Auslese

Diese „traditionelle“ Rassismus-Form weicht in der Gegenwart verstärkt einem ökonomischen Rassismus. Das wiederum heißt, dass besonders die Einwanderung von spezifisch qualifizierten Menschen als Arbeitskräfte zugelassen wird (Stichwort „Computer-Inder“), während andere, nicht entsprechend für den „Verwertungsprozess“ verwendbare Menschen nur unter bestimmten Umständen aufgenommen werden - wie zum Beispiel im Fall von staatlicher Verfolgung in ihren Heimatländern. De facto erfolgte die Abschaffung des Grundrechtes auf Asyl im Jahr 1993. Wer seitdem übereinen sicheren Drittstaat nach Deutschland einreiste, bekam kein Grundrecht auf Asyl mehr. Dies hatte eine rapide Senkung der Zahl derer zur Folge, die Asyl beantragen, und eine noch geringere Quote der Anerkennung. Die Ursachen von Flucht (vor allem aus den Ländern des globalen Südens) sind meist in wirtschaftlicher Not und einem repressiven Regime zu finden. Beides nicht zuletzt dadurch beeinflusst, dass der Politik der Länder des globalen Nordens eine rigorose Ausbeutung in Kolonialzeiten voraus ging, die sich jetzt durch eine neoliberale Weltwirtschaftspolitik fortsetzt.

Gegen die Festung Europa

Deutschland präsentiert sich hier als Vorreiterin einer repressiven Vereinheitlichung der Flüchtlingspolitik der Europäischen Union. Speziell Schengen (mit seinem lebensgefährlichen Grenzregime und den immensen Datenbanken) und Frontex (polizeiliche Eingreiftruppe, die im Mittelmeer gegen Einwanderer_innen aktiv ist) sind nur zwei Begriffe, die die abgeschottete „Festung Europa“ anschaulich machen. Prägnant dabei ist, dass Migration einerseits durch tödliche Grenzanlagen behindert, andererseits aber durch Ausnahmeregelungen gefördert wird. Beides geschieht aus jeweils kapitalistischem Interesse, um wahlweise „Schmarotzer“ fernzuhalten oder den Zuzug jener Menschen zu ermöglichen, die zu Innovation und Reichtum beitragen können.

Menschenunwürdige Bedingungen beseitigen

Jene, die es trotz der hohen Hürden geschafft haben, leben in Deutschland unter mehr als unwürdigen Bedingungen: Die so genannte Residenzpflicht macht es für Asylbewerber_innen in Deutschland unmöglich sich außerhalb eines definierten Landkreises zu bewegen und nimmt ihnen somit essentielle Grund- und Freiheitsrechte. Die Unterbringung in Asylbewerber_innenheimen macht ein selbst bestimmtes Leben der Flüchtlinge unmöglich und ermöglicht effiziente Kontrolle und schnellen Vollzug von Abschiebungen. Die noch in vielen sächsischen Landkreisen praktizierte Versorgung durch  Lebensmittelgutscheine verletzt die Menschenwürde zutiefst, wenngleich die Bargeldzahlungen nach „Asylbewerberleistungsgesetz“ unter dem ALG II Satz liegen. Zynischerweise bleibt ihnen der Zugang zum Arbeitsmarkt oder zu Bildungsangeboten verwehrt, die einer potentiellen Erwerbstätigkeit zuträglich wären. Und zu guter Letzt bleibt ihnen die demokratische Teilhabe (durch Wahlen, Engagement in Initiativen und Vereinen etc.) fast gänzlich verwehrt.

Gegen Staatlichen und Alltäglichen Rassismus

Für Menschen, die sich dauerhaft in Deutschland niederlassen wollen, sind hohe Hürden aufgestellt – erinnert sei beispielsweise an die  Einbürgerungstests, in dem die Betreffenden nachweisen müssen, dass sie in die deutsche Wertegemeinschaft passen und eine „weiße Weste“ haben (auch weltanschaulich) oder an die Notwendigkeit, ihren Unterhalt zu sichern, obwohl für viele Migrant_innen ein so genannter nachrangiger Arbeitsmarktzugang existiert. Das bedeutet, dass sie sich einer bürokratischen Prozedur unterziehen müssen, in deren Zuge die Arbeitsagentur prüft, ob nicht geeignete Deutsche für den anvisierten Job zur Verfügung stehen, die dann auch vorzugsweise eingestellt werden.

Aber wir sehen uns auch mit einem kulturellen Rassismus konfrontiert. Menschen werden pauschal vermeintliche Eigenschaften und Verhaltensweisen zugeordnet, indem mensch z.B. südländische Menschen als impulsiver bezeichnet oder mit Farbigen den Hang zum Trommeln assoziiert. Wir lehnen solcher Pauschalisierungen kategorisch ab, da dadurch eine Einteilung in vermeintliche Menschenrassen erfolgt. In unserer Politik soll jeder Mensch individuell behandelt werden. Zusätzlich zu den handfesten, institutionell gesetzten Grenzen, die ganz klar als „rassistisch“ und menschenverachtend bezeichnet werden müssen, finden sich Migrant_innen in Deutschland einer feindlichen gesellschaftlichen Stimmung ausgesetzt. Studien und Umfragen belegen immer wieder, dass insbesondere Rassismus tief in der deutschen Gesellschaft verankert ist. Staatlicher und Alltagsrassismus bilden eine sich gegenseitig bedingende Einheit, die Menschen nicht-deutscher Herkunft das Leben schwer macht. Selbst so alltägliche Dinge wie der Einkauf im nächsten Supermarkt, ein Besuch bei Verwandten, ein Ausflug mit der Bahn oder ein Fußballspiel auf dem Platz gegenüber können in fremdenfeindlicher Atmosphäre schnell zum Verhängnis für Migrant_innen werden.

Wir fordern:

 offene Grenzen und Bleiberecht für alle

 eine Wirtschafts- und Handelspolitik, die konsequent auf die Bekämpfung von Armut, Hunger und Unterentwicklung als Hauptursachen

für die Flucht setzt

 Weg mit den mšrderischen Schengen- Grenzwällen und Frontex!

 die Wiederherstellung des Grundrechtes auf Asyl in Artikel 6 des Grundgesetzes

 die Anerkennung geschlechtsspezifischer und nichtstaatlicher Verfolgung und von Kriegsdienstverweigerung und Desertation als Asylgrund

 die Abschaffung aller Regelungen, die Migrant_innen diskriminieren (Asylbewerberleistungsgesetz, Residenzpflicht,

Wohnheimunterbringung, nachrangiger Arbeitsmarktzugang etc.)

 gleichrangige demokratische und politische Teilhabemöglichkeiten von Migrant_innen

 kostenloser, qualitativ anspruchsvoller Deutschunterricht

 die konsequente €chtung von Rassismus in allen gesellschaftlichen Bereichen