AJZ Tour – ein Bericht

In den vergangenen zwei Wochen waren wir als Linksjugend in ganz Sachsen unterwegs. Unser Ziel waren die verschiedenen Jugendzentren. Hierbei legten wir besonderes Augenmerk darauf vor allem die oft unterrepräsentierten Flächenkreise abzudecken. So waren wir unter anderem in Mittelsachsen im Jugendhaus Roszwein und Treibhaus Döbeln unterwegs, auch das Görlitzer Rabryka und Basta waren unsere Stopps und noch ein paar mehr. Dort haben wir mit den vor Ort arbeitenden Menschen über ihre Arbeit im Jugendzentrum geredet, über ihre schönsten Erlebnisse, aber auch über die Schwierigkeiten, sei es mit Corona, Fördermitteln oder Rechten. Dies alles hielten wir auch filmisch und fotografisch fest, um später noch einmal eine Zusammenfassung und Vorstellung der Jugendzentren als Videoclips und Podcast zu veröffentlichen. Abschließend dazu wollen wir auch Anna Gorskih (MdL), interviewen, da eine ihrer Schwerpunkte die Jugendarbeit ist.
Wir haben bei dieser Tour sehr viele schöne Geschichten gehört, von Konzerten wo Egotronic da war, oder von Bands aus Südamerika die mittlerweile jedes Jahr zu diesem Zentrum fahren um dort aufzutreten, oder auch von strukturellen Wandlungen der Jugendzentren und einer daraus resultierenden Zielgruppenverschiebung über die vielen Jahre des Bestehens, was bei einigen mittlerweile über 26 Jahre der Fall ist. Wir hörten von Geschichten wie hart es war sich das Jugendzentrum zu erkämpfen und teilweise auch in den Baseballschlägerjahren zu verteidigen.
Neben den unglaublich schönen, schockierenden und auch lustigen Geschichten der Jugendzentren, haben wir auch über die aktuelle Lage dieser gesprochen. Dabei gab es mehrere Überschneidungen, Geschehnisse, welche bei fast allen immer wiederkehrend sind.
Corona ist scheiße! Vor allem Jugendzentren und auch die Jugendarbeit sind davon stark betroffen. Jugendarbeit kann nicht vollumfänglich fortgeführt werden, Bandräume mussten schließen. Allgemein den Freiraum, den sich Jugendliche immer hart erkämpfen mussten, wurde immer kleiner. Wenn keine Konzerte stattfinden können, die Bar geschlossen bleiben muss, Räumlichkeiten nicht weitervermietet werden können, bleiben Einnahmen aus. Einnahmen die benötigt werden die Fixkosten zu bezahlen. Einnahmen die fehlen, um die Gebäude auszubauen, zu sanieren, zu erneuern. Jugendzentren, welche in kommunaler Hand sind oder zumindest von Freistaat und Kommune finanziert werden, hatten hier zwar etwas aber nicht viel mehr Sicherheit. Autonome Jugendzentren, welche nicht in solchen Förderungen inbegriffen sind, müssen auf Reserven zurückgreifen, wenn sie welche haben, oder sind komplett auf Spendengelder angewiesen. Doch alle fürchten wie es nun weitergehen kann, wenn ein normaler Betrieb nicht irgendwann wieder möglich ist, oder sie finanzielle Unterstützung erhalten.
Das zweite große Problem sind Rechte. Vereinzelt mag es noch die klassischen Baseballschlägerfaschos geben, welche auch direkt die Jugendzentren angreifen, doch die größten Probleme macht deren professionalisierter Arm in den Parlamenten. Der AfD ist Jugendarbeit ein Dorn im Auge, sie diffamieren diese Zentren regelmäßig als Drogenhöhlen oder Terrorbrutstätten. Sie arbeiten gezielt gegen die Strukturen von Jugendzentren, sie versuchen immer wieder Sozialarbeitsstellen zu streichen, ihnen die Förderung wegzunehmen, oder ihre Arbeit durch sinnlose und oft dumme Nachfragen zu behindern. Sie kommen unangemeldet in die Zentren, welche Freiräume für junge Meschen darstellen sollen und suchen nur nach der kleinsten Kleinigkeit, welche man wieder zu einem großen Aufreger hochstilisieren kann. Ihr Ziel ist mehr als klar: die Zerschlagung jedweder alternativen Jugendkultur, welche nicht in ihr reindeutsches Weltbild passt. Dies ist vor allem im ländlichen Raum, wo es so schon wenig für Jugendliche gibt ein Problem. So ist es aber auch nicht verwundernswert, wenn es Jugendliche nicht in der Pampa hält, sondern sie lieber wegziehen, um in Städten zu leben. Die AfD ist eine zersetzende Partei, welche sinnvolle Arbeit nur behindern will.
 
Im Fazit ist unsere Tour sehr schön gewesen, wir konnten die schönen aber auch die schlechten Seiten der Jugendarbeit kennenlernen und haben auf dieser Tour sehr viele coole engagierte Menschen getroffen, die trotz der Widrigkeiten sehr viel Spaß an ihrer Arbeit haben und die es mögen die Jugendzentren mitgestalten zu dürfen. Wir haben knapp 430 GB Material gesammelt, was bald mit verwertet wird und sind knapp 2000 km durch Sachsen getourt. Bei den insgesamt zehn Jugendzentren, welche wir innerhalb von 7 Tourtagen besucht haben wir insgesamt 3000€ als Spenden aus unserem Haushalt dagelassen, also 300€ für jedes Jugendzentrum.
Alle die daran teilgenommen haben von der Linksjugend Sachsen freuen sich schon aufs nächste Jahr, wenn wir das Ganze, vielleicht in noch größer, zu unserer Jugendwahlkampftour machen dürfen. Bis dahin ein herzliches Dankeschön an alle Jugendzentren die wir in der Zeit besuchen durften, danke für eure Arbeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.