Arbeit – Forderungen der Linksjugend Sachsen zur Bundestagswahl 2021

Du bist nicht du, wenn du arbeiten gehst!

Ein Vollzeitjob kostet uns fast zehn Prozent unseres Lebens. In einer regulären Arbeitswoche verweilen wir rund 36 Prozent unseres Wachzustandes am Arbeitsplatz und werden dafür meist nur dürftig entlohnt. Das ist nicht nur ungerecht, sondern raubt auch viel Freizeit, welche wir für Freund*innen, Hobbys oder Familie nutzen könnten.

Arbeit sollte nicht unsere Hauptbeschäftigung bis ins hohe Alter sein, auch weil dies aufgrund der fortschreitenden Mechanisierung nicht notwendig ist und das Beschäftigungsverhältnis nur als Mittel zum Zweck für Teilhabe am gesellschaftlichen Leben dient. Dass sich diese Teilhabe in der Freizeit viel besser umsetzen lässt, resultiert schon daraus, dass man* sich die Mitmenschen und Aktivitäten beliebig aussuchen kann.

Das ausbeuterische System der Vollzeitbeschäftigung und damit korrespondierende Niedriglöhne dürfen keinen Nährboden mehr finden.
Daher fordert die Linksjugend [‘solid] Sachsen, dass die wöchentliche Arbeitszeit auf 20 Wochenstunden begrenzt wird. Damit das gewährleistet werden kann und eine Teilhabe am soziokulturellen Leben dauerhaft gesichert ist, wollen wir eine angemessene und faire Entlohnung von mindestens 15 Euro pro Stunde und 30 Tage Urlaub für alle.

Arbeitest du noch oder bettelst du schon?

Arbeitslosengeld II und das damit einhergehende Sanktionsregime, haben sich als unzulänglich bewiesen. Die Regelsätze sind realitätsfern und unzureichend, zudem werden Empfänger*innen von Hartz IV häufig sanktioniert und somit noch weiter vom soziokulturellen Leben und von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen.
Es ist ein Unding, Bürger*innen in „Eingliederungsmaßnahmen“ des Jobcenters zu schikanieren, indem sie beispielsweise mit einem Kaufmannsladen einkaufen üben oder Rechenaufgaben für Grundschüler*innen lösen müssen. Weigern sich Bezieher*innen von Hartz IV allerdings diese erniedrigenden Maßnahmen mitzumachen, drohen ihnen Kürzungen der schon geringen Regelsätze und die größer werdende Chance in Armut zu fallen.
Daher fordert die Linksjugend [‘solid] Sachsen ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1.200 Euro, um ein würdevolles Leben für alle zu garantieren.

Lehrjahre statt Leerjahre

40-Stunden-Woche für einen Hungerlohn oder für eine schulische Ausbildung Schulgeld bezahlen? Für viele Auszubildende leider normal.
Trotz, dass Azubis häufig die gleiche Arbeit wie Facharbeiter*innen verrichten oder eine Ausbildung in gesellschaftlich relevanten Berufen absolvieren, werden sie von ihren Arbeitgeber*innen als billige Arbeitskräfte und von den Schulen als stabile Einnahmequelle missbraucht. Das ist nicht nur ungerecht, sondern verschreckt auch viele Schüler*innen, in solch wichtige Berufe, aus dem handwerklichen und medizinisch-pflegerischen Bereich, zu gehen.
Ausbildungen müssen wieder lukrativ werden, zumal sie für die Fachkräfte von morgen sorgen und so die Gesellschaft auf ein sicheres Fundament stellen. Daher fordert die Linksjugend [‘solid] Sachsen eine Mindestausbildungsvergütung von 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung und eine Angleichung der Förderbedingungen für Berufsschüler*innen- und Meister-BAföG. Ebenso fordern wir eine Ausbildungsplatz- und Übernahmegarantie für Ausbildungsabsolvent*innen.

Für einen neuen Aufbruch Ost, Lohnmauer einreißen, Zukunft gestalten!

 Nach über 30 Jahren „Deutscher Einheit“ ist der Osten weiterhin Billiglohnland und darf nicht mitreden. Noch immer gibt es hier vor allem verlängerte Werkbänke, längere Arbeitszeiten, eine geringere Tarifbindung, Renten zweiter Klasse und kaum Ostdeutsche in Führungspositionen. Doch die Menschen fangen an sich gegen diese Ungerechtigkeiten zu wehren und sich verstärkt zu organisieren. In den vergangenen Monaten sind vielerorts Arbeiterinnen und Arbeiter aus der Ernährungsindustrie Ost unter dem Motto „Lohnmauer einreißen“ auf die Straße gegangen – mit Maske und Abstand, aber wild entschlossen. Als Linksjugend solid Sachsen stehen wir an der Seite von kämpferischen Gewerkschaften und fordern eine Lohnoffensive Ost durch flächendeckende Tarifverträge, um die Löhne zu 100 Prozent an das Westniveau anzugleichen. Wir akzeptieren es nicht, dass Ostdeutsche pro Jahr fast 5.000 Euro (Brutto) weniger erhalten und dabei 56 Stunden mehr arbeiten. Zudem wollen wir ein Reindustrialisierungsprogramm Ost. Damit sollen überall im Osten die Entstehung klimagerechter Industriearbeitsplätze gefördert werden. Außerdem wollen wir die betriebliche Mitbestimmung ausbauen, auch um rechte Einstellungen zurückzudrängen. Unsere Vision ist eine sozialistische Wirtschaftsdemokratie. Wir möchten insbesondere junge Ostdeutsche unterstützen, die für einen solidarischen Osten streiten. Gemeinsam wollen wir den Aufbruch wagen und uns für einen fröhlichen Eigensinn Ost statt einem falschen Nachbau West stark machen!

Deswegen fordern wir:

  • 20h Arbeit in der Woche

  • Mindestlohn von Mindestens 15 Euro

  • 30 Urlaubstage

  • Bedingungsloses Grundeinkommen von 1.200 Euro

  • Angleichung der Löhne und Renten in Ost und West

  • Wirtschaftliche Offensive im Osten

  • Ausbau ÖPNV und Breitband im Osten