Laizismus

Im Grundgesetz wird die Trennung von Staat und Kirche als ein Hauptmerkmal der hiesigen Demokratie festgelegt und soll so sichergestellt werden. In der Realität gestaltet sich dies jedoch ganz anders: Noch immer handeln und existieren Staat und Kirchen nicht getrennt voneinander.

Religionsfreiheit....oder?

Religionsfreiheit bedeutet, den eigenen Glauben frei wählen und praktizieren zu können. Jedoch auch, dass es jedem Menschen offensteht, sich ohne Nachteile befürchten zu müssen, etwa für den Atheismus zu entscheiden. Um Konfessionsfreiheit zu gewährleisten, darf der Staat keine Religion vorgeben, bevorzugen oder unterstützen. Er muss neutral nach innen und außen sein. Die konsequente Ausformung des Laizismus ist zwingend verbunden mit der Forderung nach der Unabhängigkeit des Staates und der Selbstbestimmung der*des Einzelnen in Fragen der Religion.

Bier ist Bier und Schnaps ist Schnaps

Die Freiheit des Individuums und der Wissenschaft, sind davon natürlich nicht unberührt. Sinnlosigkeiten, wie kirchliche Betrebungen, den Schöpfungsglauben gleichrangig mit der Evolutionstheorie lehren zu dürfen und ein allgemeines Tanzverbot am Karfreitag, sind Eingriffe der Kirche in Bereiche, in denen sie keine Autorität hat. Ihr Mitspracherecht sollte sich einzig auf Glaubensfragen beschränken. 

Lernen und tanzen für alle

Wir streiten auch für die Abschaffung des konfessionellen Religionsunterrichts. Stattdessen kann die Thematisierung konfessionsübergreifender Fragen durch ein neues, gesamtheitlich aufklärerndes Schulfach erfolgen.  Dieses soll religiös bildend und nicht bindend wirken. Die Feiertage in Deutschland sind ebenfalls christlich determiniert. Deshalb fordern wir an weltlichen Ereignissen orientierte gesetzlich freie Tage, zu denen keine christlichen Traditionen im Mittelpunkt stehen.

Zahlt eure Ausbildung doch selber

Das Theologiestudium ist Ausdruck der inkonsequenten Trennung von Staat und Kirche. Damit wird die Ausbildung kirchlichen Personals finanziert. Im Sinne der Konfessionsneutralität muss es jedoch Aufgabe der jeweiligen Glaubensgemeinden sein, ihre Mitarbeitenden auszubilden. Wir fordern deshalb, dass die theologische Ausbildung durch die Kirchen selbst übernommen und entsprechend betreut werden muss.
Nicht ausgeschlossen werden soll eine neutrale Auseinandersetzung mit religiösen Themen, wie es etwa der Studiengang der Religionswissenschaften ermöglicht. 

Kirche stell dich hinten an

Aktuell werden Einrichtungen zur Pflege, Bildung, Fürsorge, aber auch Krankenhäuser in kirchlicher Trägerschaft durch Subventionen massiv staatlich gefördert und dabei überproportional bevorzugt. Wir setzen uns stattdessen für einen Kriterienkatalog ein, mit dem die Unterstützung sozialer Projekte durch den Staat noch mehr forciert wird, konfessionsneutrale Träger jedoch bei gleicher Eignung vorgezogen werden. 

Raus aus den Ämtern

Wir sehen die staatliche Neutralitätspflicht durch das Anbringen christlicher Symbole in öffentlichen Einrichtungen verletzt. Während Angestellte in Behörden das Recht haben sollten, während der Dienstzeit religiöse Symbole zu tragen, ist das Platzieren solcher Gegenstände (etwa Kreuze) in Gebäuden mit repräsentativer Funktion des Staates zu unterbinden.

Arbeitsrecht ist Menschenrecht

Es muss dringend auch die arbeitsrechtliche Sonderstellung der Kirchen thematisiert werden. Dass sich Kirchen an gleiche Bedingungen wie andere Arbeitgeber*innen innerhalb der Arbeitswelt zu halten haben, sollte keine Kontroverse darstellen. Kirchenangestellte müssen das gleiche Arbeits- und Streikrecht sowie Diskriminierungsschutz erhalten, wie Angestellte nicht kirchlicher Einrichtungen.

Jesus gib das/die Steuer her!

Ein elementarer Punkt des Laizismus ist die Abschaffung der Kirschensteuer. Als ursprüngliche Entschädigungsleistung, entsprechen die Zahlungen heute nicht mehr ihrem eigentlichen Zweck. Es darf nicht länger sein, dass der Staat Geldeintreiber für die Kirchen spielt, indem er die Kirchensteuer direkt vom Lohn abzieht.

Rein und raus wie ich es will

Der Kirchenaustritt muss erheblich erleichtert werden. Austrittsgebühren und an Alter geknüpfte Austrittsbeschränkungen sind sicher kein Bestandteil religiöser Mündigkeit. Wir fordern eine kostenlose Austrittsmöglichkeit ohne Altersbeschränkung und ein Gesetz, dass den selbstbestimmten Kircheneintritt ermöglicht.

Resümee

Nur mit den genannten Punkten ist die Trennung von Staat und Kirche vollumfänglich möglich. Wir als Linksjugend Sachsen stehen für die konsequente Säkularisierung des Staates.

Wir fordern:

– Wir fordern die strikte Trennung von Staat und Kirche
– Wir fordern uneingeschränkte religiöse Selbstbestimmung
– Wir fordern das Säkularisieren der Wissen- und Gesellschaft
– Wir fordern aufklärenden Unterricht, statt ideologisierte Indoktrinierung
– Wir fordern den Stop der staatlichen Unterstützung der Ausbildung kirchlichen Personals
– Wir fordern eine Priorisierung von konfessionslosen sozialen Einrichtungen
– Wir fordern die äußere Konfessionsneutralität in Behörden
– Wir fordern gleiche Arbeitsbedingungen und Rechte für alle Werktätigen
– Wir fordern die Abschaffung der Kirchensteuer 
– Wir fordern grundlegende Änderungen für die Bestimmung der religiösen Mündigkeit
– Wir fordern einfachere Austrittsmöglichkeiten aus der Kirche