LGBTQIA - Positionen der Linksjugend Sachsen

Die Verbreitung und Manifestation von Sexismus, sowie die daraus folgende Unterdrückung von Frauen* und Menschen der LGBTQIA*-Community innerhalb unserer Gesellschaft ist ein Phänomen, das bereits von diversen Soziolog*innen benannt wurde. Wir als Linksjugend Sachsen stellen uns der Aufgabe, diesen tief verinnerlichten Sexismus Sexismus anzugehen und die Frage zu beantworten, warum er sich halten kann, wenn seine negativen Auswirkungen auf die Bevölkerung offensichtlich sind. 

Adoptionsrecht ist ein Menschenrecht

Eine Adoption kommt für viele Paare der LGBTQIA* Community in Frage. Leider ist dieses Angebot nicht für alle zugänglich. Gerade als LGBTQIA* Paar muss man* sehr viele Hürden auf sich nehmen, um ein Kind adoptieren zu können oder als rechtliches Elternteil anerkannt zu werden. Beispielsweise ist das deutsche Abstammungsrecht Grund dafür, dass bei einem weiblichen Ehepaar, in dem ein*e Partner*in das Kind austrägt, die*der andere Partner*in nicht ohne Adoptionsverfahren zur rechtlichen Mutter*Vater des Kindes wird. Die Anerkennung als Elternteil und die Möglichkeit der Adoption muss für alle Familienkonstellationen offen sein, anstatt das konservative Familienbild „Vater, Mutter, Kind“ weiter zu zementieren. 

Akzeptanz und Schutz aller Lebensentwürfe

Die Gleichstellung aller Lebensweisen bedeutet neben der juristischen Gleichberechtigung auch die faktische Gleichbehandlung und -stellung aller Geschlechter in jedem Lebensbereich, damit in Zukunft keine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder der Identität mehr geschieht. 

Auch heute müssen Queers damit rechnen, Opfer von Hasskriminalität und in den letzten Jahren zunehmend körperlicher Gewalt zu werden. Der Staat muss den Betroffenen Anlaufstellen und Schutz bieten. In einigen Ländern droht Menschen, die keine heteronormative Lebensrealität haben, neben Diskriminierung, auch die Todesstrafe. Dies wird für Betroffene zum Fluchtgrund. Es muss jedoch wenigstens Aufgabe eines Staates sein, die Bürger*innen vor Übergriffen zu schützen. Wir fordern, solange dieser Umstand nicht sichergestellt ist, die Aufnahme und die Protektion von queeren Schutzsuchenden – ohne Einschränkungen.

Sprache für alle - sonst gibt's Krawalle

Die Sprache als Hauptmedium unserer Kommunikation reproduziert und verfestigt gesellschaftliche Machtstrukturen unverkennbar. So äußert und formiert sich das Patriarchat natürlich auch in Formen der Sprache.  Dabei werden Personen sprachlich ausgeschlossen oder falsch angesprochen, deren Geschlechtsidentität nichtbinär ist. Für die Gleichberechtigung aller ist die Forderung nach Einbeziehung jedes Menschen in die Sprache unabdingbar. Inklusives Gendern und bewusste Sprache müssen in der Mitte der Gesellschaft ankommen. Wir fordern deren Umsetzung in Behörden und öffentlichen Einrichtungen, um althergebrachte Machtstrukturen verbal nicht weiter zu reproduzieren.

Aufklärung da, wo andere abschalten!

My body, my choice! Selbstbestimmtes Leben setzt eine umfassende sexuelle Aufklärung vorraus. Statt die Vielfalt des eigenen Körpers zu verkennen, setzen wir uns dafür ein, das Ideal des aufgeklärten und sexuell selbstbestimmten Menschen durch Bildung zu realisieren. Es ist die Aufgabe der lehrenden Institutionen, die Lernenden umfangreich in die Welt des menschlichen Körpers und in verschiedenste Familienbilder einzuführen, um eine Basis für sexuelle Selbstbestimmung zu schaffen.  Diese Themen müssen enttabuisieriert und in Leitfäden für aufklärende Institutionen eingebettet werden.

Spenden für alle! 

Schon 2017 hat die Bundesärtzekammer neuen Richtlinien für das Spenden von Blut vorgelegt. Hierbei sticht eine erneuerte Regelung besonders hervor: Schwule und bisexuelle Männer sind nur berechtigt Blut zu spenden, wenn sie davor mindestens ein Jahr keinen Geschlechtsverkehr mit einem Mann hatten. Begründet wird dies mit einem erhöhten Übertragungsrisiko beim Analverkehr, obgleich jede*r potentielle*r Spender*in vor der Spende auf HIV getestet wird. Durch diesen pauschalen Ausschluss fallen Mitglieder der LGBTQIA* Community gezielter Diskriminierung zum Opfer. 
Die Immunkrankheit HIV wird über Blut, Sperma, Vaginalsekret, Muttermilch und die Analschleimhaut übertragen. Die Übertragung erfolgt meist bei Geschlechtsverkehr, wobei nicht die Sexualität darüber entscheidet, ob das Virus weitergegeben wird, sondern allein der Infektionsschutz vor, während und nach dem Sex. Tests, ein offener Austausch mit dem Partner, das Benutzen von Kondomen/Lecktüchern/etc. und ein bewusstes Handeln während dem Sex, sind der Schlüssel zum sicheren Liebesleben. Wir fordern: Aufklärung und Prävention, statt Ausschlüsse und Diskriminierung.
Dabei ist es egal, ob hetero oder nicht, denn die angeführten Fallstatistiken, als Mittel zur Diskriminierung von Personengruppen, sind nur zweckentfremdete wissenschaftliche Untersuchungen. Aufgeklärte jeglicher Sexualität im Blutspendealter an die Schläuche!

Deshalb:

-Wir fordern die automatische rechtliche Anerkennung aller Elternteile ohne Adoption     
-Wir fordern die Möglichkeit einer Adoption für alle Familienbilder
-Wir fordern uneingeschränkten Schutz und Aufnahme von queeren Schutzsuchenden
-Wir fordern die Umsetzung inklusiver, gendergerechter Sprache in allen Behörden und öffentlichen Einrichtungen
-Wir fordern eine umfassende Aufklärung über Sexualitäten, Geschlechter und Familienbilder
-Wir fordern die Möglichkeit zur Blutspende unabhängig von der Sexualität
-Wir fordern Aufklärung zur Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten