Grenzen einreißen & Leben retten

Welttag der Migrant*innen und Flüchtlinge
Im Jahre 1914 hat der damalige Papst Benedikt XV. den Welttag der Migrant*innen und Flüchtlinge ins Leben gerufen. Der kirchliche Gedenktag soll an diejenigen erinnern, die aufgrund von Armut, Hunger, Naturkatastrophen und Krieg gezwungen sind, zu fliehen oder sich in einem anderen Land ein neues Leben aufbauen wollen. Am Ende des Jahres 2018 waren mehr als 70 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Die meisten von ihnen stammten aus den vom Krieg heimgesuchten Ländern Syrien, Afghanistan und Südsudan. Tag für Tag flohen im Schnitt 37000 Menschen vor Konflikten und (politischer) Verfolgung. Die meisten von ihnen innerhalb ihres Landes, viele in Nachbarländer. Die wenigsten von ihnen gelangten in sichere Regionen der Welt – nach Europa schafften es laut UN-Flüchtlingshilfswerk nur 116400 Menschen.Der Welttag der Migrant*innen und Flüchtlinge ist für uns Anlass auf das Schicksal all jener Menschen aufmerksam zu machen, die auf der Flucht ums Leben kamen, ob in der Wüste verdurstet, im Mittelmeer ertrunken, von Erpresserbanden verschleppt oder in lybischen Foltergefängnissen ermordet. Allein 2018 sind mehr als 2200 Menschen im Mittelmeer ertrunken, seit 2014 insgesamt mehr als 18000. Für diese erschreckend hohen Zahlen sind die EU und ihre Mitgliedsstaaten verantwortlich, die aus Europa eine Festung gemacht haben, die Grenzwälle hochziehen, die die Grenzschutzagentur Frontex hochrüsten und mit der lybischen Küstenwache zusammenarbeiten, die Geflüchtete foltert und in Gefängnisse sperrt. Die Abschottungspolitik der EU hat zu einer humanitären Katastrophe an ihren Außengrenzen geführt.Dabei sind die europäischen Staaten mitverantwortlich dafür, dass Menschen in die Flucht getrieben werden: sie exportieren Waffen in Kriegsgebiete und zwingen afrikanischen Staaten ausbeuterische Freihandelsabkommen auf, die die lokale Wirtschaft maßgeblich zerstören. Wir stehen solidarisch an der Seite derer, die sich mit diesen Zuständen nicht abfinden wollen: an der Seite der ehrenamtlichen Seenotretter*innen, die Geflüchtete im Mittelmeer vor dem Ertrinken bewahren, an der Seite von Migrant*innen, die sich in Europa selbst organisieren und gegen die Abschottung auf die Straße gehen und an der Seite aller, die sie dabei unterstützen. Wir fordern die Sächsische Staatsregierung und insbesondere die Regierungsparteien Bündnis 90/Die Grünen und SPD auf, zu handeln, und Menschen, die aus dem Mittelmeer gerettet wurden, in Sachsen aufzunehmen. Wir kämpfen für offene Grenzen, wirksame Bleiberechtsregelungen, ein Ende der Abschottung und eine zivile, staatliche Seenotrettung. Wir wollen Fluchtursachen wirksam bekämpfen und denjenigen, die nach Deutschland und Europa kommen, eine gleichrangige demokratische, soziale und politische Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen. 

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