Linksjugend-Redebeitrag beim Leipziger Frauenfestival

„Frauen in ihrer Vielfalt sichtbar machen, politisieren, feiern, tanzen, zuhören, reden – all das ist das Leipziger Frauenfestival.“ – so steht es auf der Internetseite des Festivals und so soll es auch sein. Besonders wichtig ist für mich und für die linksjugend Frauen in ihrer -VIELFALT- sichtbar zu machen und zu supporten. Wir wollen keinen weißen Heterofeminismus, der nur für eine kleine Gruppen von Frauen kämpft und diesen Kampf nicht selten auf rassistischer und heterosexistischer Grundlage führt. Wir wollen einen intersektionalen Feminismus, der alle Frauen mitdenkt und von allen Frauen mitgetragen und mitgestaltet wird. Einen Feminismus, der niemanden ausschließt und alle Unterdrückungssysteme in ihrer Gesamtheit und all ihre Verbindungen untereinander sieht. Einen antirassistischen, queeren antikapitalistischen und inklusiven Feminismus.
Wir haben schon viel geschafft. Letztes Jahr feierten Feminist*innen in Deutschland das 100-jährige Frauenwahlrecht. An der Spitze unserer Regierung sitzt eine ostdeutsche Frau. Sie sagt „Niemand lacht ein Mädchen heute mehr aus, wenn es sagt, dass es Ministerin oder Kanzlerin werden will“. Ist das so? Fügen wir diesem Satz doch mal ein paar Worte hinzu. Ist er dann noch wahr?
Niemand lacht ein Mädchen mit Behinderung aus, wenn sie Ministerin oder Kanzlerin werden will.

Niemand lacht ein geflüchtetes Mädchen aus, wenn sie Ministerin oder Kanzlerin werden will.

Niemand lacht ein Mädchen, deren Eltern Harz 4 beziehen, aus wenn sie Ministerin oder Kanzlerin werden will.

Niemand lacht eine Transfrau aus, wenn sie Ministerin oder Kanzlerin werden will.

Stimmt das? Es ist traurig, dass ich darauf mit nein antworten muss.
Gleichberechtigung ist auch ein Deutschland immer noch ein Zukunftsszenario. Frauen und Männer sind nicht gleichberechtig. Aber Frauen* sind auch untereinander nicht gleichberechtigt. Ungleiche Behandlung findet nicht nur in den Chefetagen und den Parlamenten statt. Feminismus muss seinen Blick auch mal nach unten richten. Wie viele Frauen haben schlechten bis keinen Zugang zu Bildung? Wie viele Frauen sind unterbezahlt? Wie viele Frauen sind arbeitslos?
Das alles predigen queere Feministinnen und Women of Colour schon lange, doch leider hört ihnen selten jemand zu. Das kann und muss sich ändern. Gebt diesen Aktivistinnen mehr Raum. Es ist eigentlich ganz einfach:
Ihr veranstaltet eine Podiumsdiskussion? Fragt bevorzugt Women of colour als Teilnehmerinnen an. Ihr schreibt einen Blog? Interviewt doch mal mehrgewichtige Frauen und macht ihre Probleme sichtbar. Ihr veranstaltet ein Festival oder Konzertabend? Ladet queere Bands und DJanes ein. Ladet politische Künstlerinnen ein.
Gebt armen Frauen, queeren Frauen, Women* of Colour, Frauen* mit Behinderung und kranken Frauen* Raum ab, der immer noch zu häufig nur durch weiße gesunde heterosexuelle Frauen besetzt wird. „Pass the mic“!

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