Private Seenotrettung – Tag der Menschenrechte [Gastbeitrag]

Dass Menschen auf der Flucht nicht ertrinken dürfen, ist eine Selbstverständlichkeit für die meisten von uns. Dass ihre Flucht, ungeachtet der Beweggründe, an einem sicheren Zielhafen enden muss, ist in unseren Tagen nicht mehr gesellschaftlicher Konsens. Aber beides, die Rettung von Menschenleben und eine sichere, würdige Zuflucht, wird, so hart muss man das sagen, von der Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union verweigert. Staatliche Rettung findet kaum mehr statt, die Grenzmauern werden höher und höher gezogen, Elendslager absichtsvoll errichtet, in Kriegsgebiete abgeschoben. All das können wir von MISSION LIFELINE nicht ertragen, und deshalb tun wir, was wir tun – retten.

Dass wir das tun müssen, ist am Tag der Menschenrechte besonders bitter.

Als am 10. Dezember 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet wurde, lagen nicht nur Jahre des Weltkriegs zurück, sondern eine lange Zeit der Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung menschlichen Lebens. Seit 1933 wurden jüdische Menschen systematisch erniedrigt, entrechtet, enteignet. Wer konnte, versuchte einen sicheren Hafen außerhalb Deutschlands zu finden. Allzu vielen gelang das nicht.

Auf der Konferenz von Évian im Jahr 1938 berieten die Vertreter von 32 Staaten und 24 Hilfsorganisationen über das Problem der rapide ansteigenden Flüchtlingszahlen von Juden aus Deutschland und Österreich. Die Staaten erklärten wahlweise, kein Einwanderungsland zu sein, nur den Transit zuzulassen, oder dass die Aufnahme Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus Auftrieb gäbe. Die Konferenz verlief praktisch ergebnislos.

Die Zeit des Nationalsozialismus, der Weltkrieg, die Shoa, sind unvergleichliche Verbrechen, niemals zu vergeben oder zu vergessen. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte war eine unmittelbare Folge verbunden mit der Absicht, dass sich so etwas niemals wiederholen kann. Sie hat Hoffnung gegeben und ist bis heute Richtschnur politischen Handelns – oder sie sollte es sein.

Europa, die Welt, besonders wir Deutschen stehen in der historischen Verantwortung, Menschenrechte zu leben, zu achten, zu respektieren – für jeden Menschen. Die Konferenz von Evian muss uns bis heute Mahnung sein.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist kein verstaubtes Papier oder Anlass zu Sonntagsreden. Sie ist eine Verpflichtung zu handeln. Kein Mensch ist illegal. Seenotrettung ist eine Pflicht.

MISSION LIFELINE nimmt das ernst.

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