Sachsen, Deutschland: Halts Maul!

Die Geschehnisse in Connewitz liegen nun einige Tage zurück. Mit diesem Abstand versuchen wir einen Blick auf das bisher Bekannte zu geben. Wir wissen, es gab eine Auseinandersetzung zwischen Zivilist_innen und der Polizei, wobei es auf beiden Seiten Verletzte gab. Wie viele und wie schwer Zivilst_innen verletzt wurden, ist nicht bekannt. Die Polizei sprach in der Nacht von einer „Notoperation“ eines Beamten. Bereits in der Nacht sind die ausgemachten Täter_innen „linksextrem“. Natürlich ist das klar, wenn irgendwas in Connewitz passiert. Es folgen Kommentare von sogenannten Experten, die eine neue RAF sich formieren sehen, die Mordversuche sehen, die allesamt ein selbst geschaffenes Narrativ und absurde Horrorszenarien schmieden, während es 2019 Morde an konservativen Politikern oder Attentate auf Synagogen gab.
Wir haben einen ehemaligen Justizminister und derzeitigen Bürgermeisterkandidaten der CDU, welcher wundersam bereits einen Tag nach den Vorfällen auf Wahlplakaten neben Polizisten posiert. Er posiert sowieso gern. So auch in seiner Freizeit. Beispielsweise mit Denis van Ngoc, der sich mit Neonazi Benjamin Brinsa auf rechten Kampfsportevents rumtreibt.
Wir haben eine scheinbar objektive Deutungshoheit der Polizei, die Akteur dieser Nacht war. Wir haben Medien, Politiker_innen und eine Gesellschaft, die sich unkritisch auf die Seite eines Akteurs stellt. Stets verbunden mit dem Vorwurf an all diejenigen, die es wagen, zu fordern, man könne eventuell auch mal auf die Arbeit der Polizei schauen und diese kritisch hinterfragen. Der Vorwurf, man würde sich mit „Gewalttätern“ gemein machen und sei eine Gefahr für die Demokratie. Differenzierte Betrachtungen sind offenbar nicht gewünscht, denn sie bringen das Narrativ in Gefahr. Dabei war der Einsatz eines nicht: Deeskalativ. Bereits seit den Nachmittagsstunden kreiste der Hubschrauber. Ein Kommunikationsteam der Polizei suchte man vergeblich. Es wird von teilweise rassistischen, verdachtsunabhängigen Personenkontrollen berichtet.
Dank der (großartigen) Arbeit einiger Journalist_innen ist mittlerweile bekannt, dass es keinen gezielten und orchestralen Angriff auf die Polizei gab und dass das behandelnde Krankenhaus nichts von einer „Notoperation“ wisse. In einem Video wird sichtbar, dass entgegen den Behauptungen der meisten Kommentierenden ein brennender Einkaufswagen nicht in eine Einheit reingeschoben wurde.
Kurzum: die Polizei, ein Oberbürgermeisterkandidat, ein Ministerpräsident und der Rest einer autoritären Gesellschaft, die Kritik und Kontrolle am Staatsapparat als undemokratisch wegsteckt, haben Scheiße behauptet, verbreitet und sich bis zum jetzigen Moment dafür nicht entschuldigt. Sie schmieden weiterhin ein Narrativ einer massiven Bedrohung von links. Das alles, während sie jeden Tags aufs Neue Weltmeister im Vergessen, Zerreden und Wegsehen von täglich zunehmender (tödlicher) Bedrohung durch Faschos und ihre Trittbretthalter sind. Damit macht sich diese autoritäre Gesellschaft zum Mittäter.

Sachsen, Deutschland: Halts Maul!

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