Solidarität mit den Opfern rechter Gewalt!

Gestern, gegen 2:30 Uhr, griffen 4 maskierte Täter*innen eine Unterkunft für unbegleitete minderjährige Geflüchtete mit Holzknüppeln an.
Vor ca. einer Woche griffen 2 Jugendliche ein 11 jähriges Mädchen aufgrund ihres Kopftuches an.
Und vor ca. 10 Tagen wurde eine Antifaschistin in ihrer Wohnung angegriffen und verletzt.

So angsteinflößend dies auch sein mag, müssen wir gerade deshalb zusammenstehen und rechte Gewalttäter*innen bekämpfen.
Wir dürfen nicht zulassen, dass der Hass, und damit auch die Gewalt, gegen vermeindlich „Fremde“ und Antifaschist*innen weiter zunimmt. Nein, es muss wieder möglich sein, ohne Angst am öffentlichen Leben teilzunehmen, egal ob in Leipzig oder Wurzen, egal ob in Großstädten oder im kleinsten Kaff.

Spätestens seit der Wende können in Sachsen flächendeckend Nazistrukturen wieder offen agieren. Durch den von der Politik der sächsischen CDU forcierten Abbau sowie Kürzungen der Infrastruktur und der kulturellen Angebote bietet der ländliche Raum Menschen keine Bleibeperspektive und garantiert keine gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe. Junge, mobile, gebildete und meist aus akademischen Haushalten kommende Menschen wandern häufig in Richtung der Großstädte aus, während diese Perspektive vielen jungen Leuten aus Arbeiter_innenfamilien nach wie vor verwehrt bleibt. Damit wird der ländliche Raum immer älter und zurückbleibende junge Menschen sind mit kultureller Verarmung und Perspektivlosigkeit ihrer Wohnorte konfrontiert. Solche tristen Orte führen häufig dazu, dass Jugendliche sich aus Mangel an Alternativen Gruppen anschließen, in denen radikales, antidemokratisches und menschenverachtendes Gedankengut verbreitet wird. Wenn viele Menschen von einem Ort wegziehen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dadurch kritische Stimmen bei den Gesprächen am Arbeitsplatz oder im Supermarkt fehlen und damit die vorhandenen Ressentiments und Stereotype, z. B. in Bezug auf Migrant_innen und Asylsuchende, sich wie in einer Echokammer verstärken und entsprechend auf das Wahlverhalten auswirken können. Dies zeigen nicht zuletzt die Ergebnisse der Bundestagswahlen 2017. Besonders der ländliche Raum ist zur Angstzone für Menschen mit anderen religiösen, sexuellen, politischen Vorstellungen oder anderer Herkunft geworden. Innerhalb dieser Angstzonen, z. B. an bestimmten Orten oder innerhalb bestimmter Personenkreise, ist eine freie Bewegung und Entfaltung ohne Angst – und oftmals auch ohne die reelle Gefahr von Übergriffen – nicht mehr möglich. Hinzu kommt, dass antifaschistisches Handeln und die Entfaltung von alternativen Jugendkulturen vielerorts erschwert oder aufgrund der Kürzungen von Geldmitteln sowie die damit einhergehende Schließung von Jugendzentren (Danke, CDU!) sogar verunmöglicht wird. Oftmals spielen Verantwortliche und Behörden die Probleme mit rechten und menschenverachtenden Einstellungen herunter und verharmlosen diese, statt sie aktiv anzugehen. Rechte Bürgermeister_innen wirken sogar aktiv daran mit, links-alternative Jugendzentren zu schließen.

Deshalb fordern wir u.a.

Mittels Bildungsarbeit weit verbreiteten Ressentiments stärker kritisch entgegenarbeiten, statt auf Moralisierung und erhobene Zeigefinger setzen
Erhalt, Förderung und Ausbau von kulturellen Freiräumen als Teil der Jugendbildung
Intensive Unterstützung antifaschistischer sowie links-alternativer Projekte, Initiativen und Bündnisse durch die Politik
Stärkung und Förderung von Kultur- und Demokratieprojeketen sowie den Projekten zur politischen Bildung und Neonazismusprävention
Keine staatliche Unterstützung von rechten (Haus)Projekten
Keine Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen mit rechten Organisationen wie der Identitären Bewegung, der Ein-Prozent-Bewegung und keine Besucherfahrten von Schüler_innen zu den Abgeordneten der AfD als sogenannte politische Bildung
Stärkung und Unterstützung für Beratungsstellen für Opfer rassistischer und Neonazigewalt

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