Grundsatzposition Hochschule


EINE HOCHSCHULE FÜR ALLE Hochschulen sind heute kein kultureller und kritischer Ort mehr in der Gesellschaft. Überall treffen wir auf Bildungsökonomisierung, verstärktes Dienstleistungsdenken und die Einschränkung unrentabler Wissenschaftszweige. Um dem entgegenzuwirken, streben wir nach einer Demokratisierung der Hochschulen und der Wissenschaft.

Selbstbestimmtes Handeln

Hochschulen gehören in die Hand von Studierenden, Lehrenden und Mitarbeiter_innen. Die Aufgabe des Staats darf dabei nur die bedarfsorientierte Finanzierung der wissenschaftlichen Autonomie sein. Nur eine ausreichende Bildungsfinanzierung garantiert eine Drittmittelunabhängigkeit und damit die Gewährleistung der Wirtschaftsunabhängigkeit der Hochschulen sowie den Erhalt der Sozial- und Geisteswissenschaften als selbstkritische Instanz in der Gesellschaft. Den Weg der Sächsischen Staatsregierung der letzten Jahre gilt es dabei komplett umzukehren: statt die Mittel für Studienwerke - bei steigenden Studierendenzahlen! - immer weiter zu kürzen, plädieren wir für einen verbindlichen Schlüssel von Mittelzuweisungen pro Kopf, der an einer vollumfänglichen Ausfinanzierung von Bibliotheken, Forschung und Lehre sowie den Menschen und Angeboten der Studienwerke ausgerichtet ist.

Wegfall der Zulassungsbeschränkung

Durch die abgestuften Formen der Hochschulreife, den Numerus Clausus und oftmals beliebige Eignungsfeststellungsverfahren gibt es einen selektiven Zugang zu den Hochschulen. In Deutschland hat die Ausbildung der Eltern wie der gesamte soziodemografische Hintergrund immer noch gewaltigen Einfluss auf die Bildungschancen. Zudem sind viele Studienbewerber_innen durch ihre eigene soziale oder ökonomische Situation in der Entscheidung für ein Studium eingeschränkt. Der Zugang zu den Universitäten und Hochschulen muss in jedem Alter und unabhängig vom Berufs- und Schulabschluss möglich sein. Wir fordern deshalb die Abschaffung der Zulassungsbeschränkungen und stattdessen möglichst geringe Zugangsschwellen. Studieren soll zu jeder Zeit kostenfrei sein. Das gilt auch für die Nutzung von Bibliotheken, Lehrmittelkabinetten, Laboren, Sprachangeboten, von Internet und Freizeitanlagen.

Eine flächendeckende, qualifizierte Studienberatung in Schule und Hochschule und eine bedarfsorientierte Kapazitätsplanung sind für eine erfolgreiche Selbstverwirklichung vonnöten. Dies schließt den Ausbau der psychosozialen Beratungen, um bei kurzfristigem Leistungsterror zu helfen, ebenso mit ein, wie unabhängige Finanz- und Lebensplanberatungen, in denen die Studierenden nicht lediglich ihrer/ihremSachbearbeiter_in gegenübersitzen.

Studienfinanzierung unterstützen

Die Schwierigkeit, ein Studium zu finanzieren, trägt nicht selten zu einer prekären Situation der Studierenden bei. Die staatliche Unterstützung ist oft elternabhängig, zeitlich begrenzt, nicht für ausländische Studierende vorgesehen und wird bei einem Studiengangwechsel ganz gestrichen. Dem setzen wir unsere Forderung nach Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens auch für alle Studierenden entgegen – und damit nach einer elternunabhängigen und nicht rückzahlbaren Ausbildungsförderung. Studienkrediten stehen wir generell kritisch gegenüber und fordern ihre sofortige Abschaffung.

Studienwerke sollen als ausfinanzierter Anbieter sozialer und kultureller Angebote den Student_innen zur Seite stehen, besonders, wenn es um die Vereinbarkeit von Studium und eigener Lebenswirklichkeit oder Barrierefreiheit an den Universitäten geht. Kostenfreie und flexible Kinderbetreuung erachten wir hierbei als notwendige Voraussetzung.

Reformen reformieren

Der deutsche Weg der Studienreform ist gescheitert, die geplante Internationalisierung der Studiengänge hat nicht stattgefunden. Leistungsdruck, fehlende Qualität und mangelhaftem Angebote erschweren das Studium und machen eine angemessene Partizipation an Hochschule und Gesellschaft nahezu unmöglich.

Die Bologna-Reform trat mit dem Ziel an, eine einheitliche europäische Hochschullandschaft zu schaffen und den Austausch Studierender zu fördern. Mit ihr hielt allerdings auch das neoliberale Verwertungskalkül vollumfänglich Einzug in die deutschen Hochschulen. Möglichst viele Studierende sollen in möglichst kurzer Zeit möglichst optimal auf die ökonomische Verwertung vorbereitet werden. Ganze Disziplinen mussten sich mit dem Vorwurf der mangelnden Employability ihrer Absolvent_innen herumschlagen und mitunter den Schwerpunkt ihrer Lehre umwerfen. So sind beispielsweise Lehrstühle für vielerlei Arten des ökonomisch gehaltenen Managements gerade in den Geistes- und Sozialwissenschaften in Mode gekommen und statt Medienwissenschaftler_innen werden vielerorts Public-Relations-Manager ausgebildet. Wir stehen für ein offenes Europa, auch im Bereich der Hochschulpolitik und in diesem Sinne auch hinter der Idee der Bologna-Reform. Unser erklärtes Ziel ist die echte Internationalisierung des Studiums. Wir wollen die Flexibilität und Mobilität von Studierenden verbessern. Im Mittelpunkt stehen für uns deshalb die europaweite Anerkennung von Abschlüssen und erworbener Leistungen, z. B. über ein ECTS-System - allerdings nicht auf Kosten der Selbstbestimmung bei der Organisation des Studiums. Wir fordern die Abschaffung von Klausuren und Noten an Hochschulen und wollen stattdessen Prüfungsersatzleistungen zum Nachweis der Kenntnisse wissenschaftlicher Arbeitsweisen, etwa über Hausarbeiten und Forschungs- und Gruppenprojekte, für die im universitären Alltag allerdings auch so viel Zeit eingeräumt werden sollte, dass sie von Dozent_innen und Studierenden gemeinsam qualifiziert ausgewertet werden können, anstatt mit einer aufgedrückten Note auf einem Stapel zu landen. Außerdem richten wir uns entschieden gegen jede Form von Zwangsexmatrikulation. Lebenslanges Lernen bedeutet für uns neben dem Miteinander verschiedener Generationen und Lehrender wie Lernender auch, dass Dozent_innen umfangreiche Möglichkeiten zur Weiterentwicklung in der Lehre geboten werden müssen - abseits vom allgegenwärtigen Evaluationswahn, der oftmals nur den Leistungsdruck auf die Lehrenden erhöht. Wir wollen die Einheit von Lehre und Forschung garantieren, damit sich beide gegenseitig ergänzen und befruchten können.

Übergangshürden abschaffen

Viele Studierende klagen über die fehlenden Übergangsmöglichkeiten zwischen Fachhochschulen, Kunst- und Musikhochschulen sowie Universitäten. Zudem gewinnt das Fernstudium in Zeiten nie dagewesener multimedialer Möglichkeiten an Bedeutung und sollte daher stärker als bisher in den normalen Betrieb eingebunden werden - auch abseits von klassischen Fern-Hochschulen. Wir wollen die Unterschiede zwischen den Hochschultypen abschaffen und kämpfen für einen vereinfachten Übergang zwischen den verschiedenen Lehrangeboten – verbunden mit der gegenseitigen Anerkennung aller Leistungen. Wir fordern außerdem die Abschaffung der Übergangshürden vom Bachelor zum Master. Wer sich bilden möchte, soll nicht blockiert werden. Das Gleiche gilt für Absolvent_innen mit Promotionsabsichten. Wer will, soll promovieren dürfen.

Für die demokratische Hochschule - für studentische Selbstorganisation!

Wir treten ein für die Demokratisierung aller Bereiche der Gesellschaft, so natürlich auch für die anhaltende Demokratisierung der “Republik der Gelehrten”, wie die europäischen Hochschulen noch im Mittelalter genannt wurden. Die konsequente Demokratisierung ist für uns dabei auch Gegenmittel zum Verwertungsdruck und dem Diktat ökonomischer Nützlichkeit: Demokratie braucht immer Zeit und Raum, sich zu entfalten.

Für uns bedeutet Demokratisierung zum einen, dass alle Hochschulgremien prozentual zur Größe der Mitgliedergruppen besetzt werden. Zum anderen müssen die Wahl des/der Rektor_in sowie grundsätzliche Entscheidungen über die Hochschulstruktur in einer Urwahl stattfinden – nach dem Prinzip „one woman – one vote“.

Die Novelle des Sächsischen Hochschul"freiheits"gesetzes durch die Sächsische Staatsregierung von 2012 wollen wir vollumfänglich zurücknehmen. Insbesondere die Strukturen der studentischen Selbstverwaltung gehören gestärkt und ausfinanziert, anstatt als rein fakultativer “Verein” delegitimiert. Um das Engagement auf allen Ebenen studentischer Selbstorganisation zu stärken, plädieren wir auch für eine Anrechenbarkeit des ehrenamtlichen Engagements als Studienleistung - vergleichbar mit den “Schlüsselqualifikationen”.

Geschlechterrollen aufbrechen

Die Geschlechterrollen einer Gesellschaft spiegeln sich auch an ihren Hochschulen wider. Das zeigt sich z. B in typisch männlichenund typisch weiblichen Studienvorlieben wie Maschinenbau und Erziehungswissenschaften. Um dem entgegenzuwirken, streben wir eine Förderung der Auflösung klassischer Rollenverständnisse in wissenschaftlichen Disziplinen ebenso an wie die Förderung von Frauen in akademischer Laufbahn.

Zwar nimmt der prozentuale Anteil von Frauen im Hochschulbereich zu, allerdings sind Frauen immer dünner gesät, je weiter es nach oben geht. Während mittlerweile fast überall mehr als 60 % der Studienanfänger_innen weiblich sind, sind es bei Doktorand_innen lediglich 50 %, bei Professor_innen oftmals unter 20 %. Wir fordern die konsequente und umfangreiche Förderung von Frauen in ihren akademischen Laufbahnen mittels einer 50-%-Quote.

Hochschulen sind zudem oftmals der Ort, an dem die Debatten um gesellschaftlichen Einfluss von Geschlecht am intensivsten geführt werden. Trotzdem spiegeln sich die Geschlechterrollen einer Gesellschaft auch im Hochschulbereich wider: sei es im sexistischen Anmachen auf der Semesterauftaktparty nach vier Bier oder im sexistischen Witz eines Profs in der Vorlesung. Wir fordern daher den Erhalt und Ausbau sämtlicher Formen kritischer Auseinandersetzung mit Geschlecht und Gesellschaft, sei es in Form der Gleichstellungsbeauftragten, in Form spezieller Institute für Gender Studies oder besonderer Beratungsstellen innerhalb der Hochschule. Dezentrale Ansätze auf möglichst vielen Ebenen müssen hier der Schlüssel sein, um dem alltäglichen Sexismus innerhalb der Hochschule effektiv begegnen zu können.

Zivilklausel statt Kriegsvorbereitungen

Die Vorbereitung für Kriege beginnt schon an Hochschulen. Mit der Abhängigkeit von Drittmitteln werden Hochschulen von der Bundeswehr und von Rüstungskonzernen zur Kriegsforschung genötigt. Um die Freiheit der Forschung zu bewahren und Kriege als Fortführung von Politik nicht weiter zu unterstützen, fordern wir eine Zivilklausel für alle Hochschulen, die militärische Forschung, Werbung und Finanzierung verbietet.

Wir fordern:

Offenen, kostenfreien Zugang zu allen Hochschulen Elternunabhängige Ausbildungsförderung statt Studienkredite Keine Privatisierung der Hochschulen und keine Stiftungsuniversitäten Schaffung eines europäischen Hochschulraums mit europaweit anerkannten Studiengängen und Abschlüssen und Gewährleistung von europaweiten kostenlosen Studienmöglichkeiten Auflösung klassischer Rollenverständnisse in wissenschaftlichen Disziplinen Förderung von Frauen in der akademischen Laufbahn Gute Vereinbarkeit von Studium und eigener Lebenswirklichkeit Zivilklausel für alle Hochschulen

nächste Termine

  • 26. Oktober 2018, 19:00 Uhr: "Geschlechterbilder in der radikalen Linken" (Bautzen)
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  • 27. Oktober 2018, 19:00 Uhr: "Punk als Avantgardebewegung" (Glauchau)
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  • 28. Oktober 2018, 19:00 Uhr: "Geschlechterbilder in der radikalen Linken" (Chemnitz)
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  • 29. Oktober 2018, 19:00 Uhr: "Punk als Avantgardebewegung" (Dresden)
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  • 30. Oktober 2018, 19:00 Uhr: "Der postapokalyptische Film als männliches Narrativ" (Leipzig)
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  • 25. November 2018, 12:30 Uhr: BR-Sitzung (Dresden)
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  • 14. Dezember 2018: BR-Klausur (Cunnersdorf)
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  • 15. März 2019: Landesjugendplenum
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  • 16. Oktober 2018, 12:56 Uhr:
    4 Jahre #PEGIDA? Das sind 4 Jahre zuviel! Supportet @HerzstattHetze am #dd2110 in #Dresden! Stellt euch diesen Dema… https://t.co/Kai7fDCGim
  • 15. Oktober 2018, 14:46 Uhr:
    Auch die #AfD Fraktion im #saxlt betreibt nun ein Portal, auf welchem Lehrer_innen, die scheinbar nicht nach den Vo… https://t.co/sXmsIjPT4N
  • 12. Oktober 2018, 14:21 Uhr:
    RT @ChrisCldtz: Die Denunziationsplattform der sächsischen #AfD Fraktion ist nun online. Der Zeichnung nach wird in der Schule arabisch und…